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Leistungsdiagnostik und Biomechanik

Der runde Tritt beim Radfahren

Die Radsporttechnik erscheint auf dem ersten Blick relativ einfach zu sein. Man tritt "einfach" in die Pedalen. Radprofis machen das nicht so! Sie versuchen den so genannten runden Tritt zu fahren. Der runde Tritt ist dadurch gekennzeichnet, dass nur tangentiale Kräfte auf die Kurbel wirken. Denn nur die tangentialen Kräfte sind antriebswirksame Kräfte. Hier erfährt man außerdem, wie man einen runden Tritt trainieren kann!

(hbo) Auf den ersten Blick erscheint die Radsporttechnik zunächst recht einfach zu sein. Man tritt "einfach" in die Pedalen, um so Kräfte über die Kette und die Hinterradachse auf das Hinterrad zu übertragen.

Nur tangentiale Kräfte sind Antriebskräfte

Genauer betrachtet ergibt sich Folgendes: Lediglich die zur Kurbel senkrecht stehenden Pedalkräfte sind dem Antrieb nützlich. Diese Kräfte nennt man auch - bezogen auf die Kurbel - tangentiale Kräfte. Tritt ein Radsportler in die Pedale, treten neben diesen tangentialen und für den Antrieb einzig nützlichen Kräften auch die so genannten Radialkräfte auf. Dies sind Kräfte, die auf der Kurbellängsachse verlaufen und dem Antrieb nicht dienlich sind. Das folgende Bild zeigt die beschriebenen Kräfte und wie sie an der Kurbel angreifen.


Bild 1: Die gesamte Kraft (blau) wirkt auf die Kurbel bezogen als Tangentialkraft (grün) und Radialkraft (rot)

In der Druckphase wirken die höchsten Antriebskräfte

Aus theoretischer Sicht müsste man fordern, dass die resultierenden Kräfte vollständig in positiver tangentialer Richtung wirken und möglichst immer maximal hoch wären. Dies ist jedoch nur bedingt möglich und sinnvoll. Denn erstens nutzen viele Radsportler vor allem die Hubphase zur Erholung der Muskulatur und heben dabei die Kurbel nicht aktiv an. Zweitens ist das Kraftpotential der an der Abwärtsbewegung beteilgten Muskeln höher als von denjenigen Muskeln, die an der Aufwärtsbewegung beteiligt sind. Während der Abwärtsbewegung werden demnach immer höhere Kräfte produziert als während der Aufwärtsbewegung. Prinzipiell kann man die Kurbelbewegung in vier Phasen unterteilen :
  • Schub-Phase
  • Druck-Phase
  • Zug-Phase
  • Hub-Phase
.


Bild 2: Die vier Phasen der Kurbelumdrehung

Ein runder Tritt bedeutet, nur positive Tangentialkräfte auf die Kurbel zu bringen

Untersuchungen zeigten, dass gerade in der Abwärtsbewegung - also in der Druckphase - die größten Kräfte aufgebracht werden, während in der Hubphase teilweise sogar negative Tangentialkräfte wirken. Dies liegt daran, dass manche Radsportler diese Phase zur Erholung der Muskulatur verwenden und sich auf die Pedale stellen. An den Radsportler besteht jedoch die Anforderung, diese "negativen" Kräfte klein zu halten und in allem Phasen möglichst antriebswirksame Tangentialkräfte auf die Kurbel zu bringen. Dies ist natürlich nur mit spezieller Ausrüstung möglich. So ermöglichen Klickpedale eine feste Verbindung zwischen Schuh und Pedale. Dadurch ist es dann möglich, auch in der Zug-Phase die Pedale zu ziehen, in der Hubphase die Pedale zu heben und in der Schubphase die Pedale nach vorne zu schieben. Genau dann, wenn der Radsportler nur noch tangentiale Kräfte auf die Kurbel setzt, fährt er einen runden Tritt. In dem Buch Das Lance-Armstrong-Trainingsprogramm gibt Lance Armstrong Tipps, wie man einen runden Tritt trainieren kann.


Tipp! In der Zugphase stelle man sich vor, man wolle Schmutz von der Schuhsohle abstreifen. Das Abstreifen beginnt man dabei in der Drei-Uhr-Position. In der Schubphase stelle man sich vor, man stünde auf einem Fass und wolle es weiter rollen. In der Zehn-Uhr Position muss mit dem Schub begonnen werden und bis zur Drei-Uhr-Position fortgeführt werden.


Bild 3: Die Uhrzeit-Positionen während einer Kurbelumdrehung


 

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