Womens Running Studie - Welchen Kriterien muss ein spezifischer Frauenlaufschuh gerecht werden?
Der Arbeitsbereich Biomechanik der Abteilung Sportmedizin des Universitätsklinikums Tübingen stellte heute die Ergebnisse der Women`s Running Studie vor. Danach gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in der Laufbewegung von Frauen im Gegensatz zu Männern. Für die Untersuchung wurden die Laufbewegungen von Männern und Frauen beim Joggen mit einem Mehrkamerasystem im dreidimensionalen Raum analysiert. Frauen beugen Hüfte, Knie und Sprunggelenke mehr als Männer. Weiterhin haben Läuferinnen im Vergleich zu Läufern klinisch ein vermehrtes Maß an ligamentärer Laxität, muskulärer Flexibilität und ein größeres Bewegungsausmaß in den Gelenken. Aus den Ergebnissen leiteten die Wissenschaftler folgende Konsequenzen für die Laufschuhkoneption ab:
- Durch das im Mittel geringere Gewicht und die geringere Laufgeschwindigkeit der Läuferinnen sollte ein Frauenlaufschuh flexibel und leicht sein. Hierzu werden zusätzliche Kerben in der Außensohle des Vor- und Rückfußes ergänzt.
- Gleichzeitig muss der Schuh jedoch hinreichend Stabilität bieten, da der Bewegungsablauf der Frauen im Geschlechtsvergleich größere Bewegungsexkursionen und größere Bewegungsamplituden vorweist. Durch eine verbesserte Zuggurtung des Schnürsystems im Mittelfußbereich kann sowohl die Stabilität, als auch die Passform verbessert und individuell reguliert werden. Weitere Elemente im Fersenbereich sollen die Pronationsbewegung kontrollieren.
- Da Männer- und Frauenfüße innerhalb einer Schuhgröße Unterschiede in den Weiten- und Höhenmaßen aufweisen, ist die Verwendung desselben Leistens für beide Geschlechter zu hinterfragen. Ein spezieller Frauenlaufschuhleisten bietet insbesondere im Bereich der Ferse hinreichend Halt. Spezielle Materialien im Bereich des Großzehen- und Kleinzehenballens lassen einen flexiblen Raum für den Vorfuß und das Großzehengrundgelenk.
- Der Leisten für die Herstellung des Schuhs ist wesentlich für die Passform verantwortlich. Er sollte den geschlechtsspezifischen Anforderungen und den Anforderungen unterschiedlicher Fußtypen gerecht werden.
Die Ergebnisse der Untersuchung sind bereits in die Produktion der Firma Nike eingeflossen.Begriffe:
Laxität: Die normale, physiologische Gelenktranslation, die benötigt wird, um die physiologischen Bewegungsumfänge ausführen zu können.
ligamentär: Band, bandbezogen, in Bezug auf die Bänder, von den Bändern her